Einmal im Leben Bauer sein
Jungbauer Bert erwartet mich schon auf seinem Biohof und begrüßt mich mit einem kräftigen Händedruck und einem Zirbenschnaps. Natürlich habe ich beschlossen hier nicht nur auszuspannen, sondern auch richtig zuzupacken und so stehen bereits ein paar Gummistiefel und ein Holzrechen für mich bereit. Hinter dem Hof hat Bert eine steile Wiese mit seiner Sense gemäht, die jetzt von mir zusammengerecht werden soll. Eine schweißtreibende Angelegenheit, die mir als Stadtpflanze nicht gerade leicht von der Hand geht. Schwindelfreiheit wird natürlich vorausgesetzt, denn die Hangneigung ist nicht so ohne. Nach einer Stunde spüre ich jedes einzelne Körperteil und an den Händen sind bereits die ersten Blasen sichtbar. Jungbauer Bert kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Doch trotz aller Anstrengungen ist die Arbeit befreiend. Die Luft ist klar und rein, es riecht nach frisch gemähtem Gras und Wiesenblumen, die Sonne steht schräg am Himmel und verleiht dem ganzen einen romantischen Touch. Ringsum Stille. Für einen Augenblick werde ich sentimental.
Zurück im Haus wartet die Bäurin schon mit einer zünftigen Mahlzeit auf uns. Am Tisch versammeln sich drei Generationen, die sich über diverse Tagesereignisse unterhalten. Auch das ist etwas, was für mich sehr ungewohnt ist. Drei Generationen an einem Tisch gibt es bei uns nur zu ganz speziellen Feierlichkeiten.
Nach dem üppigen Essen setze ich mich auf die Holzbank vor dem Haus und genieße die friedliche Atmosphäre um mich herum. Obwohl ich Teile meines Körpers spüre, von deren Existenz ich früher nie etwas ahnte, erfüllt mich mein Muskelkater mit verdientem Stolz.
Fazit: Urlaub am Bauernhof - sofern man auch mithelfen möchte - ist nichts für schwache Muskeln, aber das Arbeiten an der frischen Luft entschädigt für so manches.
Autor: Manuela Molk | 15.10.2009 10:54
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